Joshua Dean


Part 4 – Party People

 

„Hi, Adrian, schön, dass du da bist! Du kannst deine Jacke hier aufhängen... komm rein, komm rein... ehm, was ist das?“

Adrian bemerkte, dass Patrick ein schwarzes Dolce&GabbanaShirt trug, das ihm ganz ausgezeichnet stand. Er schluckte und zwang sich, etwas anderes anzusehen (seine Augen streiften die Picasso-Replica von der Mutter mit ihrem Kind), während er Patrick eine Flasche dunkelroten Wein überreichte.

„Ich hab den für die Party besorgt, ich dachte...“

„Das ist toll, Adrian, viele Dank!“ Patrick besah das Etikett und lächelte. „Das ist mein Liebster. Woher wusstest du das?“

Adrian errötete ein wenig und lächelte ebenfalls. „Naja, ich wusste es gar nicht. Um ehrlich zu sein, hab ich wenig Ahnung davon!“

Sie lachten gemeinsam auf. Patrick stubste Adrian sanft ins Wohnzimmer. „Hier, lern meine Freunde kennen“, sagte er glücklich. „Hey Leute, das ist Adrian. Adrian, das da sind Johnny, Jessica, mein Bruder Sean, Dennis, David, Lesley und Sheila.“

„Hi Adrian!“

„Schön, dich kennen zu lernen... ich habe so viel von dir gehört!“

„Hey Adrian!“

Adrian lächelte in die Runde, überrascht darüber, wie freundlich alle waren. Er fragte sich, was Patrick wohl seinen Freunden über ihn erzählt hatte, und sogleich spürte er eine kleine Nervosität seinen Nacken hinaufkriechen. Er winkte und grinste verlegen.

„Hi“, murmelte er, „ehm, es freut mich, euch kennen zu lernen...“ Er wandte sich hilfesuchend Patrick zu, aber der war bereits in der Küche verschwunden.

„Setz dich doch, Adrian“, bot Jessica an. Sie lächelte ihn offen an, als er sich neben sie setzte. „Es ist schön, dich endlich zu treffen.“

Bevor Adrian fragen konnte, was 'endlich' bedeutete, legte ein gutaussehender, dunkelhaariger Mann seinen Arm um Jess. Perfekt weiße Zähne, fast zu gerade um echt zu sein, leuchteten in seinem gebräunten Gesicht.

„Hey Lady, darf ich dir einen Drink bringen?“

Jessica rollte mit den Augen, aber lachte dennoch. „Du kannst es nicht ertragen, wenn ich nicht komplett dir gehöre, wie?“

David grinste breit und küsste Jessicas Wange. „Du weißt doch, ich bin verrückt nach dir!“

Oh Gott, wo zur Hölle ist Patrick?

Als habe er Adrians Gedanken gehört, tauchte Patrick plötzlich wieder im Türrahmen auf. Er lächelte fröhlich und fand sofort Adrians Blick. Johnny, der an diesem Abend den DJ mimte, legteDo You Love Meaus dem Dirty DancingSoundtrack auf. Jessica quiekte und sprang auf.

„Komm tanzen!“

Sie packte Patrick an der Hüfte und begann, mit ihm zu tanzen. Adrian starrte die beiden ungläubig an. Wenn er es nicht definitiv besser gewusst hätte, wäre er der Meinung gewesen, dass die beiden ganz schrecklich ineinander verliebt seien... oder sich zumindest so geil fanden, dass sie nicht voneinander lassen konnten. Ihr Tanz war eine Darbietung angedeuteter Pornografie, und allein die Tatsache, dass sie bekleidet waren, verhinderte eine jugendgefährdende Szene. Adrian schüttelte lächelnd den Kopf und hob die Augenbrauen. Er sah, wie Patrick vor Jessica auf die Knie ging, und Adrian konnte nicht verhindern, dass er sich vorstellte, an Jessicas Stelle zu sein, an sich herunterzuschauen, Patrick dort knien zu sehen, mit seinem Atem so nah an...

„Ganz schön heißes Gerät, was?“, fragte David mit einem Zwinkern. Adrian schluckte und wusste erst eine Sekunde später, was David meinte. Er dankte und verfluchte ihn zugleich für die Ablenkung von seinen äußerst lebhaften Fantasien.

„Oh, ehm... ja, klar. Nicht wirklich mein Typ, aber ziemlich scharf, stimmt schon.“

„Du wärst eh zu spät, sie gehört nämlich bereits mir.“ David kicherte und nahm einen Schluck, aber Adrian beachtete ihn nicht mehr. Er beobachtete, wie Jessica und Patrick miteinander flüsterten. Dann war das Lied zuende, und Johnny, der die Stimmung erfasst hatte, spielte You Sexy Thingvon Hot Chocolate. Sheila und Lesley standen auch auf, um zu tanzen, und mit den anderen begann das Paar zu grölen:

„I believe in miracles... where´re ya from... you sexy thang...“

Patricks Augen fanden Adrians mühelos, als er weiter seiner besten Freundin zuhörte.

„Wie konntest du vergessen, mir von diesen Wahnsinnsaugen zu erzählen?“, fragte Jessica gerade. Sie und Patrick tanzten sehr eng beieinander, sodass sie reden konnten, ohne dass jemand anderes sie hörte. Patrick seufzte und lächelte.

„Ja, ich weiß auch nicht... ich hab fast die Luft angehalten, als er zur Tür reinkam.“

Jessica drehte sich und fasste Patrick wieder an der Hüfte, um ihn näher an sich heranzuziehen. In diesem Moment trafen sich Patricks und Adrians Blicke erneut. Patrick bemerkte, dass der Sänger ihn regelrecht anstarrte, und das ließ ihn leicht schwindeln.

„Du wirst dich in ihn verlieben“, sagte Jessica sehr sachlich. Patrick schüttelte den Kopf.

„Das werde ich nicht.“

In diesem Moment kam David angetänzelt und nahm Jessicas Hand. „Würden Sie mit mir tanzen, junge Frau?“

Jessica lachte und zog die Schultern hoch. „Wenn mein Partner hier einwilligt...“

Patrick grinste und nickte. „Klar. Ich bin eh verschwitzt... ich werde langsam alt!“

Er ging zurück zum Sofa und setzte sich neben Adrian. Den inoffiziell vorgeschriebenen Sicherheitsabstand hielt er dabei nicht ein; Adrian sog scharf die Luft ein, als sich ihre Oberschenkel leicht berührten, und verfluchte sich sogleich für seine Nervosität.

Du benimmst dich wie ein Schulmädchen, Taylor.

„Hey... sorry dass ich nicht hier bei dir war, aber sie ist einfach verrückt nach Tanzen.“

„Dafür möchte ich wetten“, sagte Adrian und bemerkte erst, dass er die Worte tatsächlich laut ausgesprochen hatte, als sie schon heraus waren. Er errötete heftig, aber Patrick lächelte nur.

„Ja, sie ist ein Partytier. `Ne großartige Tänzerin, macht richtig Spaß, mit ihr abzurocken, und wir kennen uns nun schon seit siebzehn Jahren, also...“

Du redest Scheiße, komm schon, was ist denn los mit dir?

Patrick atmete tief ein, wohl wissend, dass Adrian ihn aus dem Augenwinkel heraus beobachtete. „Wie auch immer, möchtest du was trinken?“

Adrian nickte. Seine Wangen fühlten sich noch immer sehr heiß an.

„Ja, was hast du denn so?“

„Alles, was du willst“, antwortete Patrick sofort. Er schoss ein Lächeln in Richtung Adrian. „Ich meine Cola, Wasser, Bier…“

„Ehm... Coke light?“

Beide Männer lachten. Patrick legte seine Hand leicht auf Adrians Oberschenkel; der Sänger erzitterte unter der sanften Berührung. Seine Wangen flammten erneut auf.

Oh mein Gott.

„In Ordnung, Nachtigall, ich hol dir eine Cola light. Trinkst du keinen Alkohol?“

„Selten“, bestätigte Adrian. „Ich werde nachher wohl etwas Wein nehmen.“

Patrick lächelte leise. „Nur wir beide?“ Er stand auf. Adrian nickte. Er hatte verstanden.

Patricks Lächeln breitete sich aus und ließ seine grünen Augen leuchten. Er wandte sich ab und ging in die Küche. Fast exakt in der Sekunde, in der er verschwunden war, setzte sich ein anderer Typ neben Adrian. Er hatte ein Glas Wodka-Lemon in der einen Hand und eine Zigarette in der anderen.

„Hi“, sagte der blonde Typ. Adrian sah auf, direkt in betrunkene blaue Augen.

„Ich bin Dennis, nur falls du dich nicht erinnern kannst... ganz schön interessiert an unserem kleinen Pat, he?“

Adrian wusste nicht wieso, aber er mochte diesen Kerl nicht. Überhaupt nicht.

„Ich weiß nicht was du meinst“, antwortete er eisig. Dennis kam näher; Adrian konnte seinen Atem riechen, eine ekelerregende Mischung aus Zigaretten, Alkohol und etwas, das er nicht ganz definieren konnte.

Dennis lallte. „Ich glaube, du weißt das ganz genau“, sagte er mit einem Grinsen. „Du bist einer von uns. Und er geilt dich auf.“

Adrian fand, dass das eine sehr profane und unschöne Beschreibung für das war, was er in Patricks Nähe empfand. Er begann, sich unwohl zu fühlen.

„Ich glaube, du hast ein paar Gläser zuviel gehabt“, sagte er und versuchte, sich von Dennis abzuwenden. Er schoss einen Blick zur Tür. Wo blieb Patrick?

„Es ist offensichtlich, mein Freund, aber es macht auch gar nichts. Jeder will ihn flachlegen.“ Dennis seufzte theatralisch, und Adrian kam nicht umhin, ihn still zu bewundern für die Fähigkeit, ein Wort wie 'offensichtlich' sinngemäß zu artikulieren. Dennis fuhr ungerührt fort.

„Er ist nicht sehr wählerisch, weißt du. Er nimmt jeden, der vor ihm auf die Knie fällt, mein Freund.“

Adrian atmete tief ein, bekämpfte seinen plötzlichen Brechreiz und sah Dennis direkt in die Augen. „Hör zu, ich bin nicht dein Freund, und es ist nicht so, wie du vielleicht denkst, alles klar?“

Gerade kam Patrick zurück ins Wohnzimmer, zwei Gläser in seinen Händen. Er und Johnny tauschten einen schnellen Blick aus, und Adrian merkte, dass er von dem jungem Mann beobachtet worden war. Patricks Lächeln zuckte kurz, dann setzte er sich hin und gab Adrian eines der Gläser.

„Hier... da ist eine kleine Extraparty in der Küche“, erklärte er. Er warf Dennis einen Blick zu, der so unmissverständlich war, dass sogar der leicht beschränkte Betrunkene ihn verstand. Mit gesenktem Haupt stand er wortlos auf und machte sich davon. Adrian wunderte sich, was hier vor sich ging, wagte aber nicht, zu fragen. Er bemerkte, dass einige der anderen Gäste ebenfalls fehlten; offenbar waren sie auf der „Extraparty“ in der Küche, wie Patrick es beschrieben hatte. Adrian nahm an, dass sie am Büfett standen und sich unterhielten, mit Gläsern in der Hand oder Tellern mit Essen. Er lächelte in sich hinein. Völlig egal, wie viele Partys man besuchte, es war irgendwie immer das gleiche Schema. Mit einem Mal fühlte er sich etwas entspannter.

„Lass uns auf dich trinken“, sagte Patrick und hob sein Glas. „Weil du die schönste Person heute Abend hier bist!“

Schön? Sagte er gerade ich sei schön?!

„Hey, und was ist mit mir?“, rief Johnny. Er lachte. „Findest du mich nicht auch schön?“

Er setzte sich zu den zwei Männern aufs Sofa. Patrick gluckste. „Naja, vielleicht. Ein kleines Bisschen.“

Adrian konnte nicht anders; er musste kichern. Diese beiden waren einfach nur zu ulkig; immer ärgerten sie sich.

Johnny tat so, als schmollte er. „Das ist gemein. Das sagst du nur weil ich nicht schwul bin.“

Patrick unterdrückte einen Lachanfall und antwortete: „Nein, mein lieber Freund, die Diskriminierung von dir als anwesender Minderheit ist lediglich Ausdruck meiner tief empfunden Freundschaft für dich. Ich würde das nicht tun, wenn du mir nichts bedeuten würdest, glaub mir!“

Alle drei brachen in schallendes Gelächter aus. Schließlich wurde Patrick wieder ernst.

„Was war das gerade mit Dennis?“

Johnny zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich hab nur gesehen, dass er Adrian vollgelabert hat. Die übliche Scheiße, nehme ich an.“

„Wollte er, dass du sein Zeug probierst?“, fragte Patrick. Mit einem Mal war sein Ton schneidend geworden; seine Miene war ernst und aufmerksam. Adrian schüttelte ruckartig den Kopf.

„Nein, er... hat geredet. Wir haben nur geredet.“

Er wusste nicht, warum er Patrick nicht sagte, worüber Dennis sich ausgelassen hatte. Der kleinere Mann nickte aber bereits, offensichtlich erleichtert.

„Okay. Wenn er dir auf den Sack geht, sag mir Bescheid, ja? Dennis ist manchmal...“

„Ein wenig lästig“, ergänzte Johnny unwirsch. Er grinste. „Was ist denn mit euch zwei Hübschen? Wollt ihr nicht langsam mal Brüderschaft trinken?“

Adrian und Patrick sahen sich verdutzt und ein bisschen unsicher an. Dann sagte Adrian mit einem Lächeln: „Aber nicht mit Coke light.“

„Ich hol euch den Wein, lauft nicht weg!“

Johnny huschte aus dem Wohnzimmer und ließ Adrian und Patrick auf den Sofa sitzen. Lesley und Sean kamen in den Raum und setzten sich an Patricks Computer, um nach einem bestimmten Song zu suchen. Patrick sah Adrian eindringlich an.

„Was hat er dir erzählt?“, wollte er wissen. Adrian sah in Patricks Augen, dass auch er nicht mehr ganz nüchtern war, aber sein Zustand war weit davon entfernt, so betrunken zu sein wie Dennis. Es störte Adrian nicht, dass Patrick getrunken hatte; er würde nie...

Was? Dir etwas tun?

Er schüttelte den Kopf, wobei er nicht wusste ob er es tat, um den Gedanken loszuwerden oder Patricks Frage zu beantworten. „N... nichts.“

Patrick war nicht überzeugt. „Sicher?“

Adrian nickte. Er konnte nichts mehr sagen. Patrick sah auf den Boden und nickte langsam. Dann sah er Adrian wieder direkt an.

„Denn wenn er dich belästigt, oder wenn er dich an seine Drogen bringen will, werde ich ihm die Scheiße aus dem Leib prügeln.“

Adrian schluckte, und da kam auch schon Johnny mit dem Wein. Er drückte Adrian und Patrick je ein Glas in die Hand.

„Da, und ich will das Küsschen sehen!“

Patrick sah Johnny halb amüsiert, halb verärgert an und wandte sich Adrian zu, dem angesichts des Gedanken an einen Kuss mit Patrick eine tiefrote Farbe in die Wangen gestiegen war. Ohne ein Wort zu sagen, hakten die beiden Männer sich ein und hoben ihre Gläser, während sie sich in die Augen sahen. Es klingelte an der Tür. Sie hörten gar nicht hin.

Adrian war, als schlüpfe er hinaus aus seiner Welt in eine andere. Er starrte Patrick an, als habe er noch nie etwas Schöneres in seinem gesamten bisherigen Leben gesehen. In diesen grünen Augen machte alles plötzlich Sinn... es war absolut klar, und Adrian wusste, dass er nie wieder glücklich sein würde, ohne dass diese Augen ihn ansähen, ihn liebten, wie sie es genau in diesem Moment taten. Er lehnte sich vor und schloss widerwillig die Augen. Seine kühlen Lippen trafen auf Patricks in einem sanften, scheuen Kuss.

„Was zur Hölle machst du hier?“

Adrian bemerkte den angespannten Ton in Jessicas Stimme. Seine neue Welt zerschellte, er landete hart und riss die Augen auf. Noch ehe er sich komplett von Patrick lösen konnte, sah er den Grund für Jessicas Ausruf im Türrahmen stehen und verstand die Welt nicht mehr.

„Hi... möchtest du mich deinem neuen Freund nicht mal vorstellen?“

 

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