Joshua Dean


Part 5 – Somebody To Love

 

Adrian sah hilflos zu, wie Patrick sich in die Höhe erhob und auf den kleinen, dunkelhaarigen Mann zuging. Sie umarmten sich und küssten sich leicht auf die Lippen. Sie lächelten sich an, berührten sich in einer Art, die mehr als nur vertraut war. Adrian zuckte innerlich. Er hatte das nicht erwartet, nicht einen…

Partner??

Naja... wieso nicht?

„Pat, könntest du bitte kommen, wir können den Kirschsaft nicht finden!“

Patrick löste sich von dem Fremden mit diesen unglaublich großen, hellblauen Augen und verschwand. Adrian merkte, dass sich jemand neben ihn setzte.

„Das ist Jules“, hörte er Johnny sagen, wie von weit weg. Adrian nickte. Er war froh, dass er nicht fragen musste.

„Du magst Patrick, oder?“

Adrian schluckte hart. „Ich weiß nicht. Meinst du, wie...“

„Ich meine 'mögen' wie in 'mit ihm zusammen sein wollen'. Ich frage nur, Adrian... ich bin auf deiner Seite, mach dir keine Sorgen.“

Adrian suchte in Johnnys Augen und fand dort nichts als Ehrlichkeit. Schließlich nickte er.

„Ja... ich meine... ich weiß nicht. Ich bin mir nicht ganz sicher, es ist... alles sehr verwirrend. Er war so nett zu mir. Ich bin da ziemlich empfindlich, ich weiß das ja, und vielleicht sollte ich... naja, ich verliebe mich einfach zu schnell.“

„Genau wie Patrick“, sagte Johnny ernsthaft. „Weißt du, er und Jules waren mal ein Paar. Zwar nur fünf Monate, aber die haben gereicht, um Pat für immer zu verändern. Nach der Trennung war er einfach nicht mehr derselbe. Jules hört einfach nicht auf, und... naja, Kumpel, ich denke, jetzt liegt´s an dir.“

Adrian sah Johnny stirnrunzelnd an. Er nippte an seinem Wein. „Was meinst du? Ich... also selbst wenn wir... ich meine, es ist viel zu früh, um das so sagen zu können.“

Johnny zog die Schultern und Augenbrauen nach oben.

„Was immer du meinst, Kumpel. Ich sage nur, was ich denke.“

 

„Was denkst du dir eigentlich?“

Jules zuckte mit den Schultern. „Ich besuche eine Party. Wonach sieht´s denn aus?“

Jessicas Stimme näherte sich gefährlichen dem Gefrierpunkt. „Du weißt verdammt gut, was ich meine. Du bist schon wieder betrunken, und außerdem warst du nicht eingeladen!“

„Was in der Tat“, erklärte Jules mit verschlossener Miene, „eine unglaubliche Unverschämtheit ist, findest du nicht? Gemessen daran, wie... nah Pat und ich uns waren.“

„Da hast du es, waren! Du hast überhaupt kein Recht mehr, hier zu sein!“

„Das sehe ich ein wenig anders. Patrick und ich, wir sind immer noch Freunde, und als sein Freund bin ich selbstverständlich um sein Wohlergehen besorgt. Du kannst mich nicht für den Wunsch verurteilen, seinen neuen...“ - er blies den Zigarettenrauch langsam aus - „Freundkennen zu lernen.“

„Ach, hör doch auf, so eine Scheiße zu reden, du besoffener Arsch! Du warst um rein gar nichts besorgt, was Patrick anging, du hast ihn wie ein Stück Müll einfach weggeworfen, also warum sollte sich das geändert haben?“

Jules sah Jessica traurig an. Seine riesigen blauen Augen schimmerten im Dunklen und hatten eine Kraft, die selbst die junge Frau gefangen nahm. In diesem Moment hätte sie ihm alles geglaubt – wenn sie ihn nicht gekannt hätte.

„Ich mag ihn. Und ich mache mir Gedanken um ihn.“

„Nein, das tust du nicht. Du willst ihn bloß weiter ficken.“

Jules hob seine linke Hand in einer Abwehrgeste. „Das ist nicht wahr.“

Jessicas Augen weiteten sich, als sie Jules ungläubig anstarrte.

„Und warum tust du es dann immer wieder? Du weißt doch, dass er dich noch liebt! Und er hat immer noch Hoffnung! Und jetzt, wo jemand Neues in sein Leben getreten ist, kommst du her und machst alles sofort wieder kaputt, noch ehe es anfangen konnte... warum, Jules, warum machst du das?“

Stille. Die beiden standen im Flur und konnten Gelächter und Musik aus dem Wohnzimmer hören, wo ihre Freunde fröhlich eine Party feierten; hundert Lichtjahre von ihnen entfernt. Jules seufzte. Das abbrennende Papier seiner Zigarette knisterte.

„Ich ficke ihn weil er es will. Und weil er ist mir wichtig.“

„Aber du hast ihn verlassen. Wie kann er dir da wichtig sein? Du hast ihn verletzt!“

„Ich weiß, aber... du verstehst das einfach nicht.“

 

„Wo ist Patrick?“

Es kam Adrian vor, als sei es Jahre her, dass der andere nach dem Kirschsaft gucken gegangen war. Johnny zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahnung. Aber er kommt sicher wieder. Es ist sein Haus.“

Adrian sah Sheila und Sean, Pats Bruder, beim Tanzen zu. Sie lachten. Er sah Johnny nicht an, als er fragte:

„Er liebt ihn, oder?“

„Wer?“
„Patrick. Er liebt Jules.“

Johnny schnaubte und leerte sein Bier. „Weißt du, das glaube ich noch nicht einmal. Er ist nie über die Trennung hinweggekommen, stimmt schon. Aber ich denke, er hat nur geglaubt, dass er Jules liebte... ich bin mir nicht ganz sicher, ob es wirklich so war. Dazu war die Zeit viel zu kurz.“

Adrian wollte eine weitere Frage stellen, aber als hätte eine unsichtbare Macht es ihm eingeflüstert, betrat Jules mit perfektem Timing das Wohnzimmer. Es kam noch schlimmer; er sah Adrian kurz an, nickte ihm zu und setzte sich neben ihn. Grinste ihn an. Obwohl Adrian nicht auf Jules reagieren wollte, legte sich seine Stirn dennoch in Falten.

„Hi“, sagte der kleinere, „ich bin Jules.“

„Ich weiß“, antwortete Adrian. Er wusste, dass er sich nicht vorstellen musste; Jules wusste, wer er war. Der hübsche junge Mann hob spöttisch die Augenbrauen und strich sich das lange Haar aus dem Gesicht. Adrian starrte die vollen, sinnlichen Lippen an, die in Jules´ bleichem Gesicht leuchteten, und er schluckte.

Scheiße, sieht der gut aus. Verboten gut.

„Ach, weißt du das? Ich frage mich, was man so über mich erzählt.“

Adrian machte eine Geste, die den gesamten Raum umfasste. „Warum fragst du nicht nach?“

Jules zündete sich eine Zigarette an und leerte sein Glas mit einem großen Schluck. Er lächelte Adrian offen an.

„Respekt, Mister, deutlicher geht es kaum. Aber du verstehst mich falsch. Ich will dir nichts. Ich will dich nur bitten, vorsichtig zu sein.“

Adrian faltete die Arme vor seiner Brust und lehnte sich zurück.

„Okay. Sonst noch was?“

Jules seufzte schwer. Er kam nicht näher, nickte aber langsam.

„Okay, ganz wie du willst. Schätze, wir sehen uns."

Er stand auf und verließ den Raum. Erst jetzt bemerkte Adrian, dass er zitterte.

 

„Okay, ich hau ab. Sieht so aus, als sei ich nicht wirklich willkommen hier.“

„Jules... warte.“

Jules stand nur wenige Zentimeter von dem Fleck entfernt an dem er wenige Minuten zuvor mit Jessica gestanden hatte. Er hielt inne und sah Patrick lange an.

„Hast du... du hast wieder getrunken, oder?“

„Was kümmert dich das?“

„Du hast getrunken, bevor du herkamst, und ich will wissen, warum.“

Jules lehnte sich vor und küsste Patrick, tief, innig, ohne jede Warnung. Dann lachte er bitter auf, als sei rein gar nichts passiert.

„Patrick, mein Liebster... ich hatte ein Date. Ein bisschen Wein... nicht zuviel. Nichts Spektakuläres.“

Patrick nickte, aber wirklich überzeugt schien er nicht. Seine Lippen brannten.

„Und wieso willst du jetzt gehen?“

„Hm, lass mich kurz überlegen... vielleicht weil deine beste Freundin mir gesagt hat, ich habe hier nichts zu suchen? Oder weil dein neuer Freund mich nicht ausstehen kann?“

„Er ist nicht... wieso sollte er dich nicht ausstehen können?“

Jules lächelte. „Ich bin doch nicht dumm. Er hasst mich. Weiß er von uns?“

Uns... es hat niemals dergleichen gegeben, ein...

„Uns? Was meinst du? Das Ficken? Oder der armselige Versuch einer Beziehung?“

„Werd nicht bitter.“

„Ist es nicht so?“ Patricks Stimme wurde lauter. „Wir hatten diese scheiß fünf Monate, und dann hast du mich verlassen, einfach so. Wir hätten alles haben können, wir hätten die ganze Welt haben können, nur wir beide. Aber du...“

„Ich habe dir bereits hundert Mal gesagt, warum ich das getan habe“, zischte Jules. Er atmete aus und fuhr etwas ruhiger fort:

„Warum wärmst du das immer wieder auf? Ich dachte, das wäre erledigt. Du weißt, dass ich noch nicht bereit war, für... für so eine Beziehung, wie du sie wolltest. Für diese emotionale Nähe. Ich kann das nicht. Es tut mir leid, aber soll ich dich denn anlügen?“

„Warum bist du dann heute Abend hergekommen? Um meine Party zu ruinieren?“

Jules schüttelte den Kopf und versuchte, Patricks Wange zu berühren. Der größere Mann scheute zurück und schnaubte.

„Nein. Ich wollte nur... ich habe immer gedacht, wir könnten Freunde sein. Und ich wollte ihn sehen. Meinen Nachfolger.“

„Das ist er nicht“, antwortete Patrick verstimmt. Seine Augen waren dunkel. „Er ist ein Freund. Das habe ich dir aber bereits gesagt.“

Unglaublicherweise lächelte Jules. Es war ein sehr schönes, ein zärtliches Lächeln.

„Du kannst mir nichts erzählen. Konntest du nie. Ich habe immer gesagt, ich wünsche dir Liebe, und hier ist er.“

„Lass mich allein“, sagte Patrick heiser, fast verzweifelt. Er fragte sich, woher er die Stärke hatte, diesen Satz zu sagen. Noch einer dieser Blicke, noch eines dieser Worte, nur der Gedanke an einen Kuss, und er fürchtete, in Tränen auszubrechen. Wieder einmal. Jules nickte.

„Okay, das werde ich. Pass auf dich auf, wirst du das tun?“

Patrick antwortete nicht mehr. Er lehnte nur an der Wand und starrte ins Nichts. Jules presste die Lippen aufeinander, berührte kurz Patricks Oberarm und verließ das Haus. Sobald er die Tür hinter sich geschlossen hatte, ging Patrick in die Küche, nahm eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und leerte sie in einem Zug.

 

„Und das war, als er mich ansah und mit seiner kindlichen Stimme sagte: 'OK, dann lass uns jetzt Freunde sein'... so hat das alles angefangen, vor siebzehn Jahren.“

Adrian hörte Jessica nicht mehr zu, als er sah, dass Patrick zurück ins Wohnzimmer kam; allein. Johnny warf Adrian einen kurzen Blick zu, den der Sänger sofort verstand, und stand auf, um mit Patrick zu reden. Adrian konnte aber unmissverständlich erkennen, dass der junge Mann überhaupt nicht reden wollte. Er schüttelte ungeduldig den Kopf, ging zum Computer und drehte die Musik auf. Inner Circle´s Sweatdröhnte aus den Lautsprechern, und mehr Gäste kamen aus der Küche ins Wohnzimmer, um zu tanzen. Sie bildeten ganz natürlich eine Gruppe, in der Patrick die Hauptrolle zukam. Adrian biss sich auf die Lippe und überlegte. Da war etwas passiert. Patrick lachte und flirtete mit den Mädchen, aber sogar aus der Entfernung konnte Adrian erkennen, dass Patricks Augen verhangen waren.

Johnny bewies sein Talent als DJ uns spielte Do you Really Want To Hurt Me. Die Mädchen quiekten auf und tanzten weiter. Von Zeit zu Zeit konnte Adrian einen verführerischen Blick von Patrick auffangen, der aber nicht ihm galt und auch überhaupt nicht ernst gemeint war. Der Sänger wusste, was das für ein Spiel war; er selbst hatte es oft genug abgezogen, wenn er in einem kleinen Pub auf der Bühne stand. Es war eine Show, nichts weiter, eine Show, hinter der man sich verbergen konnte, wenn man sein Selbst nicht ganz so umherzeigen mochte.

Die Party ging weiter, laut und lustig, wie zuvor. Adrian hatte einige nette Gespräche, vor allem mit Johnny und Jessica, die beide sehr nett und auch intelligent waren. Mit Patrick sprach er nicht mehr, oder besser gesagt sprach Patrick nicht mit ihm. Er tanzte, lachte, trank. Er flirtete mit jedem, außer mit Adrian. Der Sänger gab vor, dass es ihn nicht kümmerte, aber er fragte sich im Stillen, was der hübsche Kerl namens Jules getan hatte. Adrian mochte ihn nicht, soviel war sicher.

Patrick hat ein paar seltsame Freunde.

Die wenigen Gäste, die zu später Stunde noch da waren, tanzten zu Paula Abduls Rush Rush. Adrian beobachtete, wie Patrick und Jessica erneut miteinander tanzten, engumschlungen diesmal, während ihre Hände Dinge taten, die eigentlich eher in die Kategorie 'Unanständig' gehörten. Obwohl er wusste, dass er nicht so empfinden sollte, dachte Adrian, dass er derjenige sein sollte, der so dort mit Patrick tanzte. Er würde es nicht tun, das ganz sicher nicht, aber zumindest sollte er das Anrecht darauf haben; irgendwie.

Er ist nicht sehr wählerisch...

Adrian bemerkte, dass Dennis weg war; er vermisste ihn nicht. Aber seine Worte hallten in ihm nach.

„Warum gehst du nicht hin und tanzt mit ihm?“

Adrian schüttelte sich leicht und kehrte in die Realität zurück. Er sah auf zu Johnny, der am Rechner saß und neben dem Adrian hockte. „Wer? Ich?“

„Nein, der Heilige Geist. Natürlich du! Willst du nicht?“

Adrian bedeckte seine müden Augen mit einer Hand und lächelte leise. Er fühlte sich angetrunken. „Nein, ich...“ Er sah sich um. „Ich denke, ich sollte nach Hause gehen. Könntest du mir bitte ein Taxi rufen?"

Johnny hatte gerade Let´s Make A Night To Rememberin die Playlist gezogen. Er sah Adrian entgeistert an.

„Quatsch, Kumpel, du musst nicht fahren. Hier ist genug Platz zum Übernachten.“

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute...“

Plötzlich fühlte Adrian eine Hand auf seiner Schulter. Er musste nicht aufsehen, um zu wissen, wem diese Hand gehörte. Er stand auf, drehte sich um, und sah sogleich in unglaublich aufregende, dunkelgrüne Augen.

„Tanz mit mir“, flüsterte Patrick; nichts weiter. Seine Hand glitt an Adrian hinab und ruhte leicht auf dessen Hüfte. Adrian atmete scharf ein und erlaubte Patrick, ihn näher an sich heranzuziehen. Unsicher, was er tun sollte, legte er seine Hände ebenfalls auf Patricks Hüften.

„Ich wollte gerade... ich meine, ich muss...“

Und das Gesicht des anderen war so nah, seine Augen waren so intensiv, und es war ein leicht spöttischer Ausdruck in ihnen. Patrick hob die Augenbrauen und schüttelte ganz leicht den Kopf.

„Nein... du musst nicht gehen.“

„Was? Ehm, sicher wird Johnny hier bleiben, und...“

„Johnny schläft bei meinem Bruder. Jess wird nebenan im Schlafzimmer übernachten. Es ist okay.“

„Aber...“

„Shh.“ Patrick küsste Adrians Mundwinkel, so leicht, dass Adrian sich fragte, ob es überhaupt passiert war. Nur das leichte Kribbeln an der Stelle, wo Patricks Lippen ihn berührt hatten, verriet, dass es wirklich war. Patrick lächelte. So wunderbar.

„Kein Aber. Bleib.“

„Du... ich meine... ich...“

Das winzige Lächeln verschwand nicht, als Patrick Adrian noch näher an sich heranzog.

„Bleib heute Nacht bei mir. Bitte.“

 

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